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Dienstag, 9. Mai 2006

Altes, verhasstes Leben

Warum stagniere ich? Die aktuelle Sicherheit einen Job zu haben und meine bodenständige Mentalität meucheln sich seit Äonen durch meinen Geist. Vergiften mich und bringen mich langsam um. Dort "draußen" ist nur Unsicherheit und Unverhersehbarkeit. Lieber tanze ich mit meinem "Tiger" herum und schaue zu, wie er Prankenhieb um Prankenhieb mein Fleich offenlegt.

Das Thema ist nicht neu ... ich muss mich wirklich fragen, welcher Teufel mich reitet. Die Situation ist so abstrakt geworden, von "Brandherden" will ich gar nicht mehr reden. Ein Spalt in der Größe und Länge des San Andreas-Graben terminiert diese verfluchte Firma und ich bin nur da ... paralysiert und unfähig mich zu bewegen. Das ist doch Wahnsinn!

"Es ist so unsicher in Deutschland! Behalte deinen Job und freue dich auf dein Gehalt".

Ein Satz, der mich tief traf, weil er FALSCH ist. Ich weiss es - das kann es nicht sein. Ja? Ein Leben am Abgrund und jemand säuselt "Du stehst auf festen Boden, denke dir nichts" ... während sich Steine unter mir lösen und ins Nichts entschwinden. Da schreibe ich nun, wie unmöglich diese Situation ist, ändere aber nichts ... warum, warum, warum?! (Als wüsste ich es nicht...)

Der Antrieb fehlt, Hoffnungslosigkeit spült über mich hinweg. Das ist lächerlich. Ganz ohne Kampf werde ich nicht untergehen. Und verdammt ... lieber eine Axt im Schädel als in einem Loch verrottet. Leider löst man Probleme nicht auf die nette barbarische Weise ... nun ja ... hmmm...

Natürlich ist mir (erschreckenderweise) bewußt, dass ich mit DIESER Stimmung nicht auf Job-Jagd gehen sollte. Das mündet sonst in diese tollen "ich habe 237 Bewerbungen losgeschickt und nichts kam zurück"-Storys. Außer Ablehnung. Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber meiner Freundin, welche a) leider in der gleichen Firma arbeitet und b) genauso am untergehen ist.

Sie weinte bei einem ernsten Gespräch (bzgl unserer Zukunft, Koordinierung, Tritt-in-den-Popo,...). Ich nahm Sie in die Arme (natürlich fühlte ich mich schuldig) und fragte Sie, warum ihr Tränen an den Wangen herunterlaufen. Warum? Natürlich weil ich Druck ausgeübt habe - unbewußt bewußt. Als würde sich dadurch mehr bewegen. Eine weitere Frage von meiner Seite "Weintest du auch bei meinen Vorgängern" - "Nein..." - "Warum?" - "Ich war nie Teil ihrer Pläne...".

Der Anfang vom erlösenden Ende? Ich werde mich von jahrelang zusammengetragenen Mist trennen. Von Kleidung, von Schallplatten, von Büchern, von allem was nicht benötigt wird ... denn dies ist das Chaos, welches schwer an mir haftet, welches in jeder Ecke hängt und mich verspottet. Trennen, reduzieren, befreien. Und endlich - !!! - den Weg suchen! Endlich *einen* Schritt gehen. Morgen frage ich wegen einem Zeugnis an ... so der Plan. Vermutlich wird er im Nichts verhallen, wie alles in diesem Schwarzen Loch namens "Firma". Und Ende Mai begeben wir uns in ein anderes Bundesland - ein kleiner Urlaub, aber auch Luft schnuppern. Ob es gefällt. Zukunft finden. Süd-Ost-Bayern ödet mich ein wenig an, um es nett zu beschreiben.

Habe ich viel Hoffnung auf Änderung - nein, nicht wirklich. Aber wenn schon am Boden, dann zu meinen Bedingungen...

Der Mond

Guten Tag.

Mir geht es besser, ich fühle mich zwar lobotomiert, aber gestern muss Gott mich geführt haben. Meine Erinnerungen des gestrigen Tages ähneln eher verschwommene Spiegelbilder einer Nichtrealität (noch geschwollener bekomme ich es nicht hin, meine Synapsen crashen gerade). Meine Hirn koordiniert schwer und träge meine langen Finger, welche versuchen Gedanken in Worte zu fassen. Folgende Probleme tauchen auf:

- welche Gedanken? Wichtige gab es nie, eine Qualitätsbeurteilung - gerne unter Bloggern verbreitet - entziehe ich mich mit einem "Häh?!". "Mikropublizismus" schrieb jemand. Gestern. Wow. Echt? Das schmerzt. Denke ich. Oder?

- Meine Hirnrinde besteht aktuell aus Wackelpudding. Und das Unterbewußtsein will sich eine Auszeit nehmen. Der Körper auch. Die Psyche ist schon am auswandern. Ich schreibe aber nun nicht über eine Firma, welche ihre Mitarbeiter ins Aus schießt und zwar so, dass auch hier bald Terrorzellen entstehen. Und ich kann mich nicht lösen. Kann mir jemand eine Baumstamm über den Schädel ziehen und mit logisch aufschlüsseln, dass "da draußen" eine positive Zukunft wartet? Überzeugend > bitte.

- Gewichtiges gibt es nicht zu schreiben (gut, ich verdränge). Oh, mir fehlt Disziplin. Ich verbreite Chaos, der Tische versinken unter Büchern (haha), bedruckten Blättern (papierloses Was?) und sonstigen Müll, der nie benötigt wird, aber unbändig viel Platz verschwendet. Gelungen. Keine Disziplin. Was ist mit Ihnen geschehen, mein Herr? Bestimmt ist die Beziehung schuld, ich wurde verdorben. Ich sollte mir eine Geliebte zulegen, aber wenn ich nun plötzlich Disziplin an den Tag lege ... habe ich nicht ein Problem am Hals? "Du hast mich betrogen!" - "Nein, niemals! Wie kommst du darauf?!" - "Dein Büro ist sauber und du räumst deine Klamotten auf!" - "..."

- Jedes zweite Wort durfte ich hier anfänglich korrigieren, aber nun greift der Automatismus. Gut so, jetzt noch ein paar gewichtige Gedankengänge anbringen, bevor das nächste Wellental kommt.

...zu spät...

btw - der Mond macht mir zu schaffen. Ist Vollmond? Wie auch immer, lieber als Werwolf in Nachbars Garten Duftmarken setzen als im Bett wälzen.

Empfindsame Choleriker tanzen auf der Venus


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